Der Rehbock

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Auf Wunsch seiner jungen und resoluten Ehefrau Gretchen hat der Pächter Grauschimmel im Wald des Grafen Eberfeld einen Rehbock geschossen und ist dabei erwischt worden. Deshalb vertreibt ihn der Graf von seinem Hof. Grauschimmels einzige Rettung wäre es, dem Herrn Grafen ein kleines Techtelmechtel mit Gretchen zu gestatten, denn der Graf hat – obwohl er verheiratet ist – die jungen Frauen recht gerne. Gottseidank naht Rettung in Gestalt der Baronin Freiling.

Die Baronin möchte ihren Bruder, den Grafen, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, überraschen und hat sich deshalb als junger Mann verkleidet. Um Pächter Grauschimmel zu helfen, verkleidet sie sich nun als dessen Ehefrau Gretchen und begibt sich zusammen mit Grauschimmel auf das Schloss des Grafen, wo sich nicht nur der Graf, sondern auch der Stallmeister prompt in sie verlieben. Und Grauschimmel, der immer noch denkt, die Baronin sei ein Mann, wittert Sodom und Gomorrha. So überstürzen sich die Ereignisse und es kommt zu den verrücktesten Abenteuern, denn es werden nicht nur Mädchen für Männer gehalten, sondern auch Ehefrauen verwechselt und vertauscht, bis am Schluss dieses fröhlichen und famosen Theaterspaßes keiner mehr so richtig weiß, wer er eigentlich ist!

Das freche und fröhliche Lustspiel „Der Rehbock“, entstanden 1815, diente übrigens als literarische Vorlage für Albert Lortzings volkstümliche und humorvolle Oper „Der Wildschütz von 1842.

Der Autor von „Der Rehbock“, August von Kotzebue (1761-1819), war seinerzeit der erfolgreichste Bühnenautor Europas. Er diente am russischen Hof, war Direktor des Burgtheaters und kaiserlicher Hofdichter in Wien, Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, russischer Handelskonsul und angeblich auch Spion. In Weimar stritt er sich immer wieder mit den Dichtern der Weimarer Klassik – vor allem mit Goethe. 1818 zog er nach Mannheim, wo er am 23. März 1819 von dem Studenten Carl Ludwig Sand, einem fanatischen Burschenschaftler, ermordet wurde. Für Friedrich Nietzsche war Kotzebue das „eigentliche Theatertalent der Deutschen“. Alles, was den damaligen Zeitgeist der Deutschen ausmachte, habe in Kotzbues Stücken seinen Niederschlag gefunden. Kotzebue war der meistgespielte Bühnendichter seiner Zeit und seine Stücke spiegelten den eigentlichen Geschmack des deutschen Theaterpublikums im Zeitalter der deutschen Klassik wider.