Stücke

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Neben Johann Wolfgang von Goethes „Faust“, der in Pottenstein jedes Jahr aufgeführt wird, präsentieren die Festspiele in der Spielzeit 2022 zwei sehr lustige, fröhliche und unbeschwerte Sommerkomödien – „Frühere Verhältnisse“ von Johann Nestroy und „Der Rehbock“ von August von Kotzebue – und garantieren damit wie immer ein heiteres und entspanntes Freilichttheater-Vergnügen!

Frühere Verhältnisse

Herr Scheitermann hat ein Geheimnis … und zwar eins, von dem seine Frau nichts wissen darf. Denn früher war der wohlhabende Holzhändler Scheitermann nur ein einfacher Hausknecht. Und wenn seine Frau – eine Tochter aus besserem Haus – das jemals erfahren würde, wär’s vorbei mit dem Eheglück! Aber wie’s halt im Leben so geht … irgendwie kommen sie doch immer ans Licht, die früheren Verhältnisse. Vor allem wenn sich ausgerechnet Scheitermanns ehemaliger Chef, der Bankrott gegangene Anton Muffl, bei ihm als Hausknecht bewirbt.

Zur gleichen Zeit kommt aber auch die glücklose Schauspielerin Peppi Amsel als neue Köchin in den Haushalt der Scheitermanns. Und dummerweise kennen sich Herr Muffl und Peppi Amsel noch von früher. Während Scheitermann verzweifelt versucht, Muffl wieder loszuwerden, hält Muffl die Köchin Peppi Amsel für Scheitermanns Gattin. So beginnt ein turbulentes und höchst amüsantes Verwirrspiel, das in ein immer größeres Chaos mündet und fast mit Mord und Totschlag endet. Wildeste Verwirrungen, komischste Verwicklungen und haarsträubende Verwechslungen brechen über den armen Herrn Scheitermann herein. Und ein fröhlicher Theaterabend nimmt seinen Lauf, bei dem der Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

Der Autor von „Frühere Verhältnisse“, Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862), wurde in Wien als Sohn eines Anwalts geboren. Er ging zum Theater, war als Sänger und Schauspieler erfolgreich und schrieb seine erste Komödie mit 27 Jahren. Als Nestroy vom Allround-Schauspieler und Sänger zum komischen Darsteller geworden war und sich der Vorstadtbühne verschrieben hatte, wurde seine schriftstellerische Produktion rege und regelmäßig. Er schrieb für den unmittelbaren Gebrauch und nur Stücke, in denen er selbst die komische Hauptrolle spielte: Zauberspiele, Volksstücke, Possen und Parodien. Nestroy war ein Fanatiker der Sprache und fand im Dialekt reichen Stoff für seine schöpferisch verspielte Sprachleidenschaft. Sein Werk ist der Höhepunkt des Alt-Wiener Volkstheaters. Nestroy gilt als einer der größten Theaterdichter Österreichs.

Der Rehbock

Auf Wunsch seiner jungen und resoluten Ehefrau Gretchen hat der Pächter Grauschimmel im Wald des Grafen Eberfeld einen Rehbock geschossen und ist dabei erwischt worden. Deshalb vertreibt ihn der Graf von seinem Hof. Grauschimmels einzige Rettung wäre es, dem Herrn Grafen ein kleines Techtelmechtel mit Gretchen zu gestatten, denn der Graf hat – obwohl er verheiratet ist – die jungen Frauen recht gerne. Gottseidank naht Rettung in Gestalt der Baronin Freiling.

Die Baronin möchte ihren Bruder, den Grafen, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, überraschen und hat sich deshalb als junger Mann verkleidet. Um Pächter Grauschimmel zu helfen, verkleidet sie sich nun als dessen Ehefrau Gretchen und begibt sich zusammen mit Grauschimmel auf das Schloss des Grafen, wo sich nicht nur der Graf, sondern auch der Stallmeister prompt in sie verlieben. Und Grauschimmel, der immer noch denkt, die Baronin sei ein Mann, wittert Sodom und Gomorrha. So überstürzen sich die Ereignisse und es kommt zu den verrücktesten Abenteuern, denn es werden nicht nur Mädchen für Männer gehalten, sondern auch Ehefrauen verwechselt und vertauscht, bis am Schluss dieses fröhlichen und famosen Theaterspaßes keiner mehr so richtig weiß, wer er eigentlich ist!

Das freche und fröhliche Lustspiel „Der Rehbock“, entstanden 1815, diente übrigens als literarische Vorlage für Albert Lortzings volkstümliche und humorvolle Oper „Der Wildschütz von 1842.

Der Autor von „Der Rehbock“, August von Kotzebue (1761-1819), war seinerzeit der erfolgreichste Bühnenautor Europas. Er diente am russischen Hof, war Direktor des Burgtheaters und kaiserlicher Hofdichter in Wien, Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, russischer Handelskonsul und angeblich auch Spion. In Weimar stritt er sich immer wieder mit den Dichtern der Weimarer Klassik – vor allem mit Goethe. 1818 zog er nach Mannheim, wo er am 23. März 1819 von dem Studenten Carl Ludwig Sand, einem fanatischen Burschenschaftler, ermordet wurde. Für Friedrich Nietzsche war Kotzebue das „eigentliche Theatertalent der Deutschen“. Alles, was den damaligen Zeitgeist der Deutschen ausmachte, habe in Kotzbues Stücken seinen Niederschlag gefunden. Kotzebue war der meistgespielte Bühnendichter seiner Zeit und seine Stücke spiegelten den eigentlichen Geschmack des deutschen Theaterpublikums im Zeitalter der deutschen Klassik wider.